Nachhaltigkeit durch Effizienzsteigerung?

Der neue Landwirtschaftsminister Friedrich entlarvt sich selbst: Im Interview mit der Landwirtschaftszeitung Topagrar wertete er den weltweit ansteigenden Fleischkonsum als „Chance“ und schloss gleichzeitig grundlegende Verbesserungen im Tierschutz ebenso wie die Durchsetzung eines Menschenrechts auf Nahrung als unrealistisch aus.

Unsere Pressemitteilung dazu.

Diese Aussagen sind alarmierend. Allerdings spricht Friedrich nur aus, was eigentlich alle wissen: In der gegenwärtigen Landwirtschaft geht es nicht um Tierwohl, Nachhaltigkeit oder soziale Gerechtigkeit. Was zählt, ist die Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt. Das ist aber gerade das Schlimme! Die Landwirtschaft sollte dazu da sein, alle Menschen mit guten Nahrungsmitteln zu versorgen, ohne dafür andere Menschen, Tiere oder die Umwelt auszubeuten. Das kann sie allerdings nur in einem anderen als dem gegenwärtigen System.

Friedrich hatte im Interview eingeräumt, dass sich aufgrund der marktwirtschaftlichen Gegebenheiten grundlegende Verbesserung im Tierschutz nicht durchsetzen ließen. Die im Koalitionsvertrag geplante „nationale Tierwohl-Offensive“ beschrieb er als eine Marketing-Strategie. Aus unserer Sicht dienen die meisten sogenannten Tierschutzreformen dazu, das Image der Tierindustrie zu verbessern; den Tieren nützen sie dagegen selten. Auch deshalb fordern wir keine Reform der Tierhaltung, sondern ihre Abschaffung – weil empfindungsfähige Lebewesen keine Waren und Produktionsmittel zum menschlichen Gebrauch sein sollten.

Friedrichs Aussage, dass sich Nachhaltigkeit primär durch Effizienzsteigerung erreichen ließe, ist geradezu absurd. Es ist längst klar, dass nur eine ökologische Landwirtschaft auf die Dauer nachhaltig sein kann. Diese lässt sich auch ohne Tierhaltung durchführen. Stattdessen steht die gegenwärtige Landwirtschaft für die Abhängigkeit von fossilen Stoffen, Futterimporte aus Monokulturen in Südamerika usw. – die industrielle Landwirtschaft und insbesondere die Massentierhaltung werden nie ökologisch tragbar sein. Ganz zu schweigen davon, dass eine Intensivierung der Haltung, wie von Friedrich gefordert, mit weiteren Leiden für die beteiligten Tiere einhergeht.

Und dass Friedrich den weltweit steigenden Fleischkonsum auch als „Chance“ für die deutschen Tierhalter betrachtet – dazu fällt uns angesichts der mit der Fleischproduktion verbundenen Gewalt und Ausbeutung sowie der ökologischen Folgen wirklich nichts mehr ein.